WAL/GJ für verantwortliche Politik statt "Wünsch Dir was"

„Auch diesmal sollte sich der Rat der Stadt der Forderung nach rd. 350.000 € für Instandsetzungsarbeiten plus jährlichem Zuschuss von geschätzten 24.000 € für das Freibad in Hirschberg verweigern, selbst wenn ein und dasselbe Anliegen mittlerweile zum dritten Mal vorgetragen werde.“ Denn es gibt "substantiell nichts Neues", zu diesem Ergebnis kommt die Fraktion auch nach eingehender Beschäftigung mit der Vielzahl neu vorgelegter Papiere.

„Diese Planungen basieren nach wie vor auf Visionen, Wünschen und Hoffnungen, statt realistische und belastbare Kalkulationen zu Grunde zu legen.“

 

Den Darstellungen im Antrag muss in fünf Punkten widersprochen werden:

 

1. Die Wiedereröffnung des Freibades brächte Hirschberg kaum einen Vorteil beim Ausbau des Tourismus!

Hirschberg ist als Ortsteil das touristisches Aushängeschild unserer Stadt. Die Möglichkeiten, die sich aus der Lage an der Sauerlandwaldroute und der Nachbarschaft zum Bilsteintal und Möhnesee bieten, sind noch lange nicht ausgeschöpft. Die Anknüpfung des Radwegenetzes Richtung Möhnesee und Richtung Warstein erschließt weiteres touristisches Potential. Für diese touristischen Zielgruppen ist das Freibad vor Ort nicht zwingend erforderlich. Allen, die auf ein Bad Wert legen, kann, vor allem für die vielen Tage mit ungünstiger Witterung, das attraktive Allwetterbad angeboten werden. Ein Freibad brächte Urlaubern kaum einen Mehrwert.

Auch der unterstellte positive Effekt für das Besucherzentrum der Brauerei, den Kletterpark, das Bilsteintal, den Lörmecketurm oder den Kohlenmeiler ist nicht nachvollziehbar.

 

2. Die Wiedereröffnung wird auch keine nennenswerte Steigerung der Lebensqualität aller Warsteiner Bürgerinnen und Bürger.

Fakt ist einerseits, dass Freibadbesuche heute nur noch für erheblich kleinere Teile der Bevölkerung und für die nur unter optimalen Wetterbedingungen attraktiv sind. Andererseits gibt es in unmittelbarer Nachbarschaft zwei gleichermaßen idyllisch gelegene Freibäder, die ebenso günstig für die meisten Warsteiner erreichbar sind, zudem die Strandbäder am Henne- und Möhnesee, in deren Attraktivität aktuell groß investiert werde. Mit der Wiederöffnung des Freibades in Hirschberg würde es zwar eine weitere Auswahlmöglichkeit geben, ohne dass aber die Lebensqualität tatsächlich durch dieses Angebot bereichert würde.

 

3. Im Antrag wird weiterhin mit durchschnittlich 23000 Besuchern gerechnet. Angesichts der 10000, die im Schnitt in den Jahren 2000 bis 2008 kamen, ist dies vollkommen unrealistisch!

Veränderungen der Lebensbedingungen, des Freizeitverhaltens und die wachsende Vielfalt der Angebote führt überall zu sinkenden Besucherzahlen der Freibäder.

Die Initiatoren setzen auf Besucher aus einem Camperpark, der auf dem gegenüberliegenden Grundstück entstehen soll. Auch von einer solchen Anlage würde Hirschberg, im Gegensatz zum Eigentümer der Fläche, kaum profitieren. Ganz im Gegenteil, das hervorragende landschaftliche Umfeld würde erheblich leiden.

 

4. Die dem Betreiberkonzept zu Grunde liegenden Kalkulationen werden nicht nur wegen zu geringer Besucherzahlen nicht aufgehen. Die angenommenen laufenden Kosten wie auch der Investitionsbedarf sind insgesamt deutlich zu gering angesetzt.

Mahnendes Beispiel sollte die Verlusterwartung der Stadt Anröchte sein, die mit einem Zuschussbedarf für ihr Waldfreibad in Höhe von 250 bis 300 Tsd. Euro in diesem Jahr rechnet. Ähnliches gilt für das Bad der Stadt Rüthen.

Indem die Hirschberger Vereine ihre volle Unterstützung für den Freibadverein kundgetan haben, wären sie mit verpflichtet, zur Finanzierung der Defizite beizutragen. Ob dies in Hirschberg allseits so gewollt ist, darf sicher bezweifelt werden.

 

5. Andererseits ist eine städtische Investition von 350.000 € für ein derartiges Projekt angesichts der sich weiter verschlechternden Haushaltslage nicht zu vertreten. Das gilt ebenfalls für eine laufende Subventionierung.

Und, wenn auch sicher nicht so bedeutsam: Badbesucher, die das Freibad in Hirschberg nutzen würden, statt das Allwetterbad, verschlechtern die Auslastung und Finanzierung der städtischen Einrichtung. Hinzu käme, dass nach der Investition die Stadt im Fall des Misserfolges mit in der Verantwortung wäre.

Scheitert der Verein, wäre aufgrund ihres vorausgegangenen finanziellen Engagements der Druck auf die Stadt groß, nicht tatenlos die erneute Schließung hinzunehmen.

 

Selbst wenn man allen 650, die an der Bürgerversammlung in Hirschberg teilgenommen haben, unterstellt, sie stünden hinter der Forderung, bleiben noch gut 25000 Bürgerinnen und Bürger Warsteins, deren große Mehrheit vom Rat der Stadt eine verantwortliche Politik im Gesamtinteresse der Stadt erwarten.

29.11.14



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