Widerworte

Mittwoch, 1. Sept.: Nichts als Worte ... - "sturzpräventiv"! >


Dagmar Hanses - unsere Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag

 

BilSteinZeit führt in eine Sackgasse

Seit einiger Zeit sucht die Stadt Warstein auf ihrer Internet-Seite nach Betreibern und Investoren für die "Bilsteinzeit". Als grafischen Aufhänger hat man sich ausgerechnet die Geiervoliere am Bilsteinfelsen ausgesucht - ein Gehege, das mitten in ein Biotop nach §62 Landschaftsgesetz NRW hineingeplant worden ist. Auf dem Papier hält man also an einem sinnlosen Plan weiter fest: Eine unseriöse Planung auf ´geschönten´ Grundlagen, mit frei phantasierten Kostenansätzen.

 

Am 6. November beschloss der Rat der Stadt Warstein, das Planungskonzept "Bilsteinzeit" zur Grundlage weiteren Planens rund um die Bilsteinhöhle zu machen, konkret: Das vorgelegte Konzept soll realisiert werden. Die Stadt Warstein soll ein Bebauungsplanverfahren einleiten und einen Investor/Betreiber suchen, der die Pläne anschließend verwirklicht.

 

Aber: Liegt überhaupt ein Konzept vor, das verwirklicht werden kann? Um diese Frage hat man sich herumgedrückt. Eine ausführliche, detailliert begründete, ablehnende Stellungnahme der WAL-Fraktion sollte dem Fachausschuss mit allen Mitteln vorenthalten werden. Man hatte sicher seine guten Gründe für diese Strategie.

 

Es gibt zahllose Schwachstellen am Konzept "Bilsteinzeit", nur auf einige grundlegenden kann hier eingegangen werden.

 

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Die gesamte Investitionssumme von ca. 3.000.000,-- Euro ist für die Einrichtung eines Tierparks geplant. Nicht ein einziger Cent soll in die Bilsteinhöhle selbst fließen (Investitionsbedarf ist hier durchaus gegeben!). Letzlich wurde ein Tierpark geplant, der als lästiges Anhängsel noch eine Höhle hat. Diese Höhle beschränkt auch noch die Besucherzahlen, denn mehr als 80.000 Besucher können realistischerweise nicht vernünftig durch die Höhle geführt werden. Ausweg der Gutachter: Man müsse die Führungen (derzeit ca. 25 - 30 Minuten) eben verkürzen. Das zeigt, dass die Planer keine Ahnung vom Betrieb einer Schauhöhle haben. Die derzeitigen Führungen sind vielen Besuchern bereits ´zu schnell´, sie hätten gern noch viel mehr Zeit in der Höhle. Wollte man die Führungen auf unter 20 Minuten drücken, würde man Besuchergruppen durch die Höhle hetzen, was die schlimmste Anti-Werbung wäre. Angesichts von nur 50 Schauhöhlen, aber rund 700 Tierparks in Deutschland erscheint die Planung eines Tierparks und die Vernachlässigung der Höhle als groteske Landung neben dem Ziel. Ein Vergleich des vorgesehenen Tierbestandes mit dem Zoo Gelsenkirchen oder dem Tierpark Dortmund (also mitten im angedachten Quellgebiet der Besucher) zeigt auch, dass die Planungen für das Bilsteintal wenig originell sind. Es ist nicht einsehbar, warum Besucher weite Wege unternehmen sollen, um hier die gleichen Tiere in einer deutlich schwächeren Inszenierung zu besehen (die Renovierung des Zoos Gelsenkirchen ist mit 86.000.000,-- Euro angesetzt, hier wurden großflächig Landschaften inszeniert).

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Die vorausgesagten Besucherzahlen (mindestens 120.000 pro Jahr) sind völlig unrealistisch. Der benachbarte Wildwald Vosswinkel, der seit Jahren eine hervorragende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit betreibt, hat im Jahr 2005 erstmals die Grenze von 100.000 Besuchern überschritten. Dabei liegt der Wildwald deutlich günstiger am Quellgebiet der angedachten Besucherströme. Die Planer hantieren sogar mit falschen Zahlen um ihre Prognosen wahrscheinlicher erscheinen zu lassen. So behaupten sie, die Atta-Höhle hätte 80.000 Besucher im Jahr, richtiger dürften wohl 200.000 sein. Aber diese hohe Zahl hätte gezeigt, dass eine gut geführte Höhle ein sehr großes Besucherpotential hat - wenn sie in der internationalen Liga der Atta-Höhle spielt. Bei der Rechnung der Planer hat man Wildpark-Zahlen und Höhlen zahlen einfach zusammengezählt um zu demonstrieren: Die Kombination von Höhle und Wildpark in Warstein wird eine ´Besuchersumme´ erzielen. Aber diese Rechnung geht eben nur auf, wenn man die Zahlen der Attahöhle fälscht. Unseriöses Vorgehen!

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Die Planungrechtlichen Einschränkungen des Bereiches werden heruntergespielt. Der gesamte überplante Bereich ist Teil des Landschaftsschutzgebietes Arnsberger Wald. Sicherlich ist das ein grundsätzlich überwindbares Hindernis, dennoch - man muß mit einem genaueren Hinsehen rechnen. Teile des Bereiches sind eingetragene Biotope nach §62 Landschaftsgesetz NRW. Wenngleich die Planer versucht haben, diese Bereiche weitgehend zu umgehen, einige Planungen würden einen massiven Eingriff bedeuten. Vor allem die geplante Geiervoliere am Bilsteinfelsen wird es nicht geben. Der Bilsteinfelsen ist Biotop nach §62, eine Entlassung aus dem Schutz wäre nur möglich, wenn man begründen könnte, dass die Geiervoliere nur an dieser Stelle möglich ist, dass es keine Alternativen gibt. Man braucht das kaum weiter zu kommentieren, denn selbstverständlich könnten die Geier auch an anderer Stelle hausen. Daneben ist der Bilsteinfelsen - auch im geplanten Geier-Bereich, mit Schwalbenwurz (Vincetoxicum hierundinum) bewachsen, eine Art der Roten Liste NRW. Diese Bedenken wurden vom Planungsbüro ohne Begründung abgewiesen - das ist verständlich, denn man kann argumentativ nicht gegen diese Bedenken angehen. Völlig unbekannt ist den Planern offensichtlich auch, dass es sich bei der Bilsteinhöhle um ein Fledermausquartier handelt. Den Eingang zu einem solchen Quartier mit Netzen zu verhängen ist naturschutzrechtlich undenkbar: Fledermäuse sind streng geschützte Arten. Nach Bundesnaturschutzgesetz ist die Genehmigung einer solchen Geiervoliere nicht möglich - dennoch wird von den Gutachtern munter behauptet, man sehe hier keinerlei Schwierigkeiten.

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Im Bilsteintal sind drei Teiche geplant. Diese Planungen stehen in krassem Gegensatz zu derzeit geltenden Grundlinien wasserrechtlichen Planens. Auch hier wurde der Hinweis der WAL, es handele sich bei den Planungen um einen UVP-pflichtigen Gewässerausbau, nicht ernst genommen. Das ist dumm, denn spätestens bei der weiteren Planung wird es zu massiven Einwänden sowohl der unteren Wasserbehörde als auch der Landschaftsbeiräte kommen.

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Der forstwirtschaftliche Ausgleich ist unrealistisch geplant. Mittlerweile steht fest, dass es keinerlei Kontakt zwischen den Planern und dem zuständigen Forstamt gegeben hat. Alle Angaben über den forstwirtschaftlichen Ausgleich sind also frei phantasiert. Dennoch hat man einen forstwirtschaftlichen Ausgleich 1:1 zugrunde gelegt. Dabei ist es durchaus nicht sicher, dass dieser Ansatz realistisch ist. Tatsächlich wird durch die Planungen Wald massiv zerstört und nicht nur auf dem Papier umgewandelt. Der neu anzulegende Spielplatz würde bestehenden Wald zerstören, die Planungen des ´Wirtschaftshofes´ und des Wildschweingeheges liegen mitten in bisher kaum berührten Waldgebieten. Das Wildschweingehege ist mitten in einen Erlenbruchwald hineingeplant (im Planungsgutachten wird falsch behauptet, hier läge ein "Buchen-Stangenwald" vor). Die Wildschweine würden in kurzer Zeit großen Schaden anrichten, den Wald zerstören, noch dazu in einer Feuchtmulde. Dass es neben dem Einspruch des Forstes auch einen Einspruch des Naturschutzes geben wird (mögliches Biotopn nach §62!) soll wenigstens am Rande erwähnt werden. Auch die praktische Abwicklung des Ausgleichs ist auf eine originelle Art und Weise geplant: Das ganze Projekt soll in vier Schritten realisiert werden, von den insgesamt 224.000 Euro, die für den forstwirtschaftlichen Ausgleich vorgesehen sind (wenn es denn ausreicht, s.o.!), werden im ersten Schritt aber nur 40.000 ausgegeben, die eigentliche Aufforstung (mit 63.000 Euro ein beachtlicher Anteil der Gesamtkosten) ist sogar erst in Stufe 4 vorgesehen. Dieses Splitten ist selbstverständlich auch nicht mit dem Forstamt abgestimmt worden. Man könne doch mit Behörden immer reden - so die Auskunft der Planer. Da der forstwirtschaftliche Ausgleich ein ganz zentraler Kostenpunkt ist, muß die gesamte Kostenkalkulation an dieser Stelle als bodenlose Spekulation bezeichnet werden. Das Planungsgutachten ist unseriös bei der Berechnung zentraler Kostenstellen.

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In der gesamten Planung kommen die Besonderheiten des Bilsteintals nicht vor, statt dessen soll das Tal komplett überplant und damit zerstört werden. Mitten in ein Karst-Trockental werden drei Teiche hinein geplant - absurd. Eine künstliche Höhle aus Beton soll gegenüber der natürlichen Höhlen gegossen werden. Die zahlreichen Besonderheiten der Natur- und Kulturlandschaft des Bilsteintals scheinen unbekannt zu sein.

In den letzten Monaten ist ein bisher zu wenig beachteter Aspekt des Bilsteintals immer stärker ins Bewußtsein der Fachwelt gerückt: Das Bilsteintal und seine Umgebung sind eine Wiege der Warsteiner Eisenindustrie. Mindestens seit dem Mittelalter (erste Arbeitshypothese: um 1300) wurden hier Eisenerze abgebaut (Bereich Winterkuhle, Bolzplatz und - noch heute sehr gut erhalten - Luchsgehege) und im Tal zu Stahl und Eisen verhüttet und geschmiedet. Im Bereich des Hauses Victoria (genau in überplanten Bereichen) zeichnen sich sehr interessante Befunde im Boden ab (Rennofen, Kohlelager, vielleicht Siedlungsreste)! Eine Zerstörung dieser archäologischen Zeugnisse wäre unverantwortlich.

 

Fazit:

 

Mit dem Planungskonzept Bilsteinzeit wurde eine völlig unzureichende und letztlich nicht seriöse Planungsgrundlage vorgelegt. Spätestens bei der Aufstellung des Bebauungsplanes werden die zahlreichen Mängel offenbar werden, wird sich zeigen, dass diese Planung nicht umsetzbar ist (worauf der Kämmerer der Stadt Warstein übrigens im zuständigen Kulturausschuss bereits hingewiesen hat - das wollte man aber nicht hören). Selbst der Technische Beigeordnete der Stadt Warstein, R. Hoffmann, sieht - laut Pressebericht - eine "besondere Brisanz", da die Planungen in bestehende Landschafts- und Naturschutzgebiete [sic!] eingreifen würden. Bisher hatte man den Mitgliedern von Rat und Ausschuss immer erklärt - mit Verweis auf R. Hoffmann! - hier seien keinerlei Bedenken der Naturschutzbehörden zu erwarten.

Ärgerlich ist dabei, dass wieder für lange Zeit nötige und sinnvolle Schritte im Bilsteintal unterbleiben werden, mit Verweis auf die angeblich großen Pläne.

Bezeichnend ist, dass selbst Ratsmitglieder (in diesem Falle sogar der Fraktionsvorsitzende einer großen Fraktion des Stadtrates...), die dem Konzept zugestimmt haben, mit dem Brustton der Überzeugung sagen "Das kommt sowieso nie!"

Bleibt für das Bilsteintal zu hoffen, dass diese Leute richtig liegen mit ihrer Aussage, nicht mit ihrem widersinnigen Abstimmungsverhalten...



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